Referendariat und Vorbereitung auf das Assessorexamen

 

Ich habe nach häufigen Anfragen neben den Informationen zum ersten Staatsexamen jetzt auch Informationen zum Referendariat aufgenommen. Zwar gibt es einführende Literatur, die einen ersten Einblick in den Ablauf des Referendariats gibt. Wie man sich aber auf die Assessorexamensklausuren vorbereitet, bleibt häufig im Dunkeln. Diese Seite soll zum einen versuchen, häufige Fragen zu beantworten. Zum anderen habe ich Aufbaumuster und Lösungstipps zu den in NRW (und den meisten anderen Bundesländern) üblichen  Klausurtypen erstellt. Dies soll etwas Licht in die anfangs schwer überschaubare Zahl der möglichen Klausurtypen bringen.

 

Fragen zum Rechtsreferendariat ...

 

Was erwartet mich in der Referendarszeit?

Wie sollte ich meine Stationen auswählen?

Was muss ich im Examen leisten?

Wie bereite ich mich vor?

Was muss ich lernen?

Welche Bücher benötige ich?

Welche Rechtsgebiete muss ich lernen?

Wie erarbeitet diese Rechtsgebiete?

Klausurentraining

Gibt es einen Zeitplan?

Was erwartet mich in der mündlichen Prüfung?

Und nach dem Referendariat?

Auf mehrfach geäußerten Wunsch als Motivationshilfe nun auch

der Ausschnitt aus meinem - viel schlechteren - 2. Examenszeugnis

► Zu den Aufbaumustern und Lösungshinweisen

 

Forum für Fragen und Antworten

 

 

 

 

 

 

Auch in diesem Bereich zum 2. Staatsexamen gibt es mittlerweile erfreuliche Rückmeldungen:

 

<<Hi! Hab mir gerade mal Deine Seite und vor allem die Ausführungen zum 2. Examen durchgelesen. Kommt zwar "zu spät", weil wir beiden das Examen gemeinsam bereits geschrieben haben, ich kann aber allen nur bestätigen, dass die Tipps meiner Meinung nach genau richtig sind!!! Gruß nach Hamburg!>> Michael 2007

 

<<Kompliment für diese Seite! Ich bin auf der Suche nach Informationen über das Referendariat und finde wenig mit Substanz. Diese Seite dagegen bietet eine gute Anleitung.>> Alex 2008

 

 

 

Was erwartet mich in der Referendarszeit?

 

Wichtigster Ausgangspunkt bei der Gestaltung der Examensvorbereitung ist die Tatsache, dass im Assessorexamen zwar eine praxisorientiertere Arbeit als im Ersten Staatsexamen verlangt wird, dass aber eine Assessorexamensklausur mit einer Akte z.B. aus der täglichen anwaltlichen Praxis wenig zu tun hat. Daher muss man sich schon früh darüber im Klaren sein, dass die praktisch Stationsarbeit zwar interessant ist und der beruflichen Orientierung dient bzw. zu Kontakten bzw. einem Jobangebot führen kann (sehr selten!). Im Assessorexamen warten aber weitgehend andere Aufgabenstellungen. Die Ausbildung verläuft daher unausgesprochen zweigleisig: zum einen die Arbeit in der Ausbildungsstation, zum anderen die Vorbereitung auf die Examensklausuren begleitet durch die Arbeitsgemeinschaften am Landgericht.

 

 

Wie sollte ich meine Stationen auswählen?

 

Jeder muss sich möglichst bereits zu Beginn der Referendarszeit darüber klar werden, welche Ziele er verfolgt. Denn dadurch wird die Stationswahl und auch das Engagement in den einzelnen Stationen maßgeblich beeinflusst. Möglich ist z.B. - wie ich es gemacht habe - die Tätigkeit bei dem jeweiligen Ausbilder auf ein Minimum zu reduzieren, mit dem Ziel, möglichst viel Zeit auf die Examensvorbereitung zu verwenden, weil man für den angestrebten Job eine bestimmte Mindestnote benötigt (z.B. Richter oder Tätigkeit im öffentlichen Dienst). Andererseits ist es auch möglich, sich durch die geschickte Auswahl der Stationen und den Besuch von Fachanwaltslehrgängen bereits früh beruflich zu spezialisieren, z.B. indem man Anwalts- und Wahlstation bei Anwaltskanzleien einer bestimmten Fachrichtung absolviert und sich in diesen Stationen durch starkes Engagement für einen Job aufdrängt (z.B. Wahrnehmung von Sitzungsterminen, Bearbeitung von eigenen Mandaten). An dieser Stelle muss ich aber eine deutliche Warnung aussprechen: Als Referendare seid Ihr für die Anwaltskanzleien kostenlose Arbeitskräfte. Daher werden Referendare auch gerne zur Wahrnehmung von auswärtigen Gerichtsterminen eingesetzt. Dass sich aber daraus - selbst bei einer Vollzeittätigkeit - ein Job ergeben muss, ist reine Illusion. Als billige Arbeitskraft werdet Ihr in den meisten Fällen viel gelobt aber dabei knallhart ausgenutzt. Die einseitige Hoffnung auf einen Job ist der größte Fehler, den aber nahezu jeder begeht. Deshalb: Wer sich für die Tätigkeit in einer bestimmten Kanzlei interessiert, sollte gleich zu Anfang seine Absichten und Hoffnungen klar zur Sprache bringen - auch wenn man damit gewissermaßen mit der Tür ins Haus fällt. Ebenso muss zur Sprache kommen, ob es für die Tätigkeit Geld gibt. Das ist regional und von Kanzlei zu Kanzlei unterschiedlich. Erst wenn Ihr so Klarheit geschafft habt, wisst Ihr woran Ihr seid und gebt Euch keinen Illusionen mehr hin.

In der Anwaltsstation sollte also gleich zu Anfang von beiden Seiten Klarheit über die Erwartungen geschaffen werden, also bzgl. Arbeitszeiten, Tätigkeitsfeld, Zukunftsaussichten und ggfs. Bezahlung. Sonst gibt es garantiert Probleme.

 

 

Was muss ich im Examen leisten?

 

Neben den Klausuren, deren Pflichtprogramm sich nach den Bundesländern etwas unterscheidet (man findet die verbindlichen Informationen in den JAGen des jeweiligen Bundeslandes) werden als mündliche Leistung ein Aktenvortrag und ein mündliches Prüfungsgespräch verlangt. Die mündliche Prüfung erfolgt idR mehrere Monate nach den schriftlichen Klausuren.

Im Unterschied zum ersten Examen steht der Sachverhalt nicht mehr fest, sondern muss aus einer ca. 10-20 Seiten langen Akte erstellt werden. Die Klausuren erfordern also viel mehr Lesearbeit und gewissermaßen das Erstellen eines Sachverhaltes ähnlich dem in der ersten juristischen Staatsprüfung – allerdings mit einigen Besonderheiten, etwa das Herausstellen von streitigem Vorbringen oder den Anträgen der Parteien. Dies hört sich zunächst sehr ungewohnt an. Allerdings darf man nicht dem Trugschluss erliegen, dass die Examensfälle wirkliche Akten sind. Diese beruhen zwar u.U. auf tatsächlich entschiedenen Fällen. Sie werden aber vom JPA bearbeitet, so dass die Parteien etwa durch die Äußerung von Rechtsansichten wie bei den Klausuren im ersten Examen deutliche Hinweise auf den Lösungsweg geben. Diese Klausuren verfolgen also anders als wirkliche Fälle in der Praxis einen klaren Lösungsweg, auf den der Bearbeiter durch dezente Hinweise gelenkt wird. Wie im ersten Examen muss also auch hier die Routine der Klausurbearbeitung gelernt werden. Die praktischen Erfahrungen der Stationen sind für die Klausurbearbeitung in der Regel nicht wirklich relevant. Auf den ersten Blick erdrückend ist die Vielzahl in Frage kommender Klausurgestaltungen. Diese habe ich bei den Aufbaumustern weiter erläutert.

Im Unterschied zum 1. Examen ist für das 2. Examen ganz klar die Praxistauglichkeit entscheidend , d.h. auch in einem unbekannten Rechtsgebiet und bei einem unbekannten Fall eine brauchbare praktische Lösung zu erstellen. Ein Beispiel aus meinem Examen: gefordert war eine zivilgerichtliche Abhilfeentscheidung nach einer sofortigen Beschwerde. Wer das hinbekommt und auch die prozessualen Probleme (in dem Fall  Vollstreckungsrecht) beherrscht, schreibt ein gutes Examen.

 

 

 

Wie bereite ich mich am Besten auf das Assessorexamen vor?

 

In den Arbeitsgemeinschaften, welche am Landgericht organisiert werden, wird z.T. materielles Prozessrecht unterrichtet, vor allem aber sollen hier Klausuren bearbeitet werden. Wer schon beim ersten Examen ohne Repetitor gelernt hat, hat im Referendariat große Vorteile. Denn die Arbeitsgemeinschaft ist zwar eine gute Unterstützung. Das Lernen kann sie aber nicht ersetzen. Es ist also fatal, sich allein von der AG führen zu lassen und sich – wie es häufig zu hören ist – darauf zu berufen, dass „das noch nicht gemacht“ wurde. Ein Beispiel: das gesamte Zwangsvollstreckungsrecht und der einstweilige Rechtsschutz sind in NRW der Fortgeschrittenen AG vorbehalten. Diese beginnt ca. 10 Monate vor den Examensklausurenterminen. Wer sich allein auf die AG verlässt und 9 Monate vor dem Examen noch nicht ins 8. Buch der ZPO geblickt hat, wird im Hinblick auf diesen examensrelevanten Stoff enorme zeitliche Probleme bekommen. Auch im Referendariat ist somit Eigeninitiative gefragt. Zwar haben auch die Repetitorien seit langem das Referendariat als lukratives Geschäft entdeckt. Doch gestaltet sich die Teilnahme als wesentlich schwieriger als noch im Studium. In den Stationen muss man, wenn auch nicht jeden Tag, zu normalen Arbeitszeiten erscheinen. Die Repetitorien finden daher idR abends statt. Ob dann der Geist noch sehr aufnahmefähig ist, muss jeder für sich entscheiden (ich kennen kaum jemanden, der den Kurs bis zum Ende besucht hat). Wer sich in Eigenregie vorbereitet, kann sehr gut die Freiräume nutzen, die die Stationen bieten. Muss man z.B. ein oder zwei Tage überhaupt nicht zur Arbeit erscheinen, kann man diese Zeit wunderbar nutzen, um in Eigenregie zu lernen. Mit anderen Worten: Man kann die zeitliche Flexibilität des Referendariats voll ausnutzen.

Im Forum ist auch die Frage aufgetaucht, ob die Teilnahme an Anwaltskursen oder Fachanwaltskursen ratsam ist. Man sollte dabei immer beachten, dass solche Kurse für das Examen nicht viel bringen. Die darin investierte Zeit kommt also nicht der Examensnote sondern u.U. den eigenen Berufschancen zugute. Man sollte solche Kurse in jedem Fall als Extra ansehen und keinesfalls weniger Zeit für die eigentliche Examensvorbereitung einplanen. Fachanwaltskurse sind m.E. im Referendariat noch etwas zu früh. Wenn man es im Wesentlichen auf den Titel abgesehen hat, ist es zwar möglich, die Lehrgänge bereits im Referendariat zu besuchen. Die dortigen Themen durchdringt man aber idR erst, wenn man bereits ein bisschen Berufserfahrung mitbring.

 

 

 

Was muss ich lernen?

 

1. Materielles Recht: Der wesentliche Vorteil des Referendariats im Gegensatz zum Studium in den meisten Bundesländern ist der, dass die Benutzung von Kommentaren in den Examensklausuren erlaubt ist. Dadurch reduziert sich also das Lernen von materiellem Recht im Vergleich zum ersten Examen auf ein Minimum. Zur Wiederholung des materiellen Rechts s.u.

 

2. Prozessrecht: Auch hier sind Kommentare erlaubt, mit denen man aus diesem Grund schon frühzeitig arbeiten sollte. Es ist sehr empfehlenswert, das Prozessrecht anhand des Kommentars zu erarbeiten und Lehrbücher, wie etwa das Standardwerk von Anders/Gehle oder aber Repetitorenskripten nur als ersten Einstieg zu verwenden. In keinem Fall sollte man Zeit dadurch verschwenden, dass man diese Lehrbücher / Skripten oder gar die Kommentare zusammenfasst oder aus ihnen herausschreibt. Wichtig ist, die Zusammenhänge des Prozessrechts zu kennen. Dabei hilft der Gesetzestext wider Erwarten ungemein. Die effektivste Art, ein Rechtsgebiet zu erschließen ist daher, zunächst in einer stillen Stunde den Gesetzestext zu lesen. Danach sollte man entweder über ein Lehrbuch den Einstieg suchen oder aber gleich mit einem Kommentar die Besonderheiten der gesetzlichen Regelungen erschließen. Der Ruf des Thomas/Putzo ist nebenbei bemerkt zu Unrecht schlecht. Mittlerweile schließt sich die Kommentierung in den meisten Punkten der Rechtsprechung an. Wird eine andere Auffassung vertreten, so wird dies in den allermeisten Fällen auch deutlich gemacht und auf die BGH Rechtsprechung hingewiesen. Im Übrigen weiß auch das JPA, welche Kommentare zur Verfügung stehen, und gibt in den Lösungsskizzen zu den Klausuren stets Hinweise an die Prüfer, falls in einem zugelassenen Kommentar etwas missverständlich ist.

Auf den Punkt gebracht: Lehrbücher und Skripten haben viel weniger Bedeutung als im ersten Examen, denn der Kommentar nimmt eine Menge Arbeit ab. Das Auswendiglernen von materiell- oder prozessrechtlichen Problemen entfällt fast vollständig.

 

3. Zeitschriften: Ergänzend zur Erarbeitung von materiellem und Prozessrecht sollten die Zeitschriften weiter verfolgt werden. Dies wird häufig zu Unrecht für nicht so wichtig gehalten. Die meisten Klausuren basieren nämlich auf Fällen aus der Rechtsprechung, meistens Entscheidungen des BGH. In den meisten meiner Examensklausuren waren eine oder mehrere Entscheidungen verarbeitet, die ca. 1-2 Jahre zuvor in der NJW und zum größten Teil auch in der JuS und bei Prof. Dr. Stephan Lorenz  abgedruckt waren. Wer sich hier also regelmäßig informiert, hat im Examen erhebliche Vorteile. Aber macht bloß nicht den Fehler und arbeitet die gesamte NJW durch! Man muss den Blick auf die klausurrelevanten Gebiete entwickeln: Eine Entscheidung über das WEG oder das Markenrecht hat offensichtlich weniger Bedeutung als eine Entscheidung aus dem Vollstreckungsrecht (ganz wichtig!), dem Kaufrecht oder dem Allgemeinen Teil des BGB.

 

4. Formalien: Wie zu Beginn erwähnt, können im Assessorexamen eine Vielzahl von Fallgestaltungen warten. Da das Gutachten zu den materiellen und prozessualen Fragen im Wesentlichen gleich aussieht, differenzieren sich diese Aufgaben vor allem beim Entscheidungsentwurf. Dieser wiederum unterliegt vor allem bei Urteil und staatsanwaltlichen/behördlichen Verfügungen strikten Formvorschriften, wie etwa der Aufbau des Rubrums, der erforderlichen Elemente des Tenors oder z.B. beim Strafurteil auch dem Aufbau der Urteilsgründe. Diese Formalien sind zwar nicht Selbstzweck, dennoch müssen diese Aufbaufragen beherrscht werden. Denn korrigiert werden die Klausuren von Praktikern. Wenn dann Fehler im Rubrum oder gar im Tenor der Entscheidung enthalten sind, kann die Klausur trotz materiellrechtlich zutreffender Erwägungen als „nicht praxisgerecht“ bewertet werden. Man kommt also nicht Umhin, für die in dem jeweiligen Bundesland in Frage kommenden Entscheidungsentwürfe Muster anzulegen und sich diese einzuprägen. Hierin liegt die einzige wirkliche Lernarbeit vorm Assessorexamen. Verglichen mit der Paukerei vorm ersten Examen ist das Erlernen dieser 5 bis 10 Schemata aber noch sehr gut machbar. Einen großen Teil der Arbeit habe ich ja mit dem Erstellen der Aufbauschemata schon erledigt. Also: nur noch durcharbeiten und verinnerlichen.

 

5. Klausuren: Hat man die ersten Punkte einigermaßen bewältigt, sollte man sich wie auch vor dem ersten Examen möglichst bald den Klausuren zuwenden, denn nur die ständige Klausurenpraxis führt zu der nötigen Routine und zu der Fähigkeit, das Gelernte im Ernstfall auch richtig unter zu bringen. Zu den Klausuren s.u.

 

 

Welche Bücher benötige ich?

 

Will man sich alle von den Justizministerien zugelassenen Hilfsmittel besorgen, so ist man schnell eine ganze Menge Geld los. In Nordrhein-Westfalen werden z.B. zugelassen:

  • Schönfelder "Deutsche Gesetze" (zwei Bände),

  • Sartorius I "Verfassungs- u. Verwaltungsgesetze" (ohne Ergänzungsband) und

  • v. Hippel-Rehborn "Gesetze des Landes Nordrhein-Westfalen"

  • Palandt "BGB"

  • Thomas/Putzo "ZPO",

  • Baumbach/Hopt "HGB",

  • Tröndle/Fischer "StGB und Nebengesetze",

  • Meyer-Goßner "StPO",

  • Kopp/Ramsauer "VwVfG",

  • Kopp/Schenke "VwGO"

Es wird wohl kaum angebracht sein, alle diese Kommentare im Laufe des Referendariats zu kaufen und zum Examen auch noch u.U. zwischenzeitlich erschienene Neuauflagen zu erwerben. Zu empfehlen sind die von mir fett hervorgehobenen Bücher, da man mit diesen schon frühzeitig arbeiten sollte, um sich an das neue Handwerkszeug zu gewöhnen. Alle übrigen kann man sich kurz vor dem Examen ausleihen. Es muss auch nicht unbedingt die neueste Auflage sein. Die Klausuren leben selten davon, dass man aktuellste Probleme kennt, vielmehr ist wie auch im ersten Examen die Anwendung der juristischen Arbeitstechnik an weitestgehend unbekannten Fällen gefordert. Vor allem im Verwaltungsrecht sollte auf die Anschaffung der Kommentare verzichtet werden. Denn hier steht die Argumentation am Sachverhalt noch viel mehr im Vordergrund als bei den anderen Rechtsgebieten - zumal zum besonderen Verwaltungsrecht ohnehin keine Kommentare benutzt werden dürfen. Auch auf den v. Hippel-Rehborn kann man zumindest bis kurz vorm Examen gut verzichten und sich eine einfache Sammlung der Landesgesetze besorgen - die kostet weniger als die Hälfte. Fürs Examen kann man sich die erforderlichen Bücher in der neuesten Auflage auch ausleihen. Z.T. sind die Bibliotheken der Gerichte oder aber die bisherigen Ausbilder (Richter, Anwalt) dazu bereit, es gibt aber auch private Kommentarverleiher, bei denen man sich gegen Entgelt oder z.T. auch kostenlos die Bücher besorgen kann, z.B. http://www.juristenkoffer.de.

 

Weitergehende Ausbildungsliteratur ist, wie oben erwähnt, weitgehend entbehrlich. Wer im Zivilprozessrecht einen guten Einstieg sucht, ist mit Anders/Gehle, Das Assessorexamen im Zivilrecht, sehr gut beraten. In den anderen Rechtsgebieten kann man m.E. auf weiterführende Literatur sehr gut verzichten und stattdessen besser das Gesetz lesen (wirklich!). Diese Tatsache hat in der Vergangenheit immer wieder zu Nachfragen im Forum geführt. Für alle Leser daher hier nochmals mein Hinweis: Ich habe vor dem 2. Staatsexamen im Zivilrecht nur den Anders/Gehle durchgearbeitet und dabei wenig herausgeschrieben, da ohnehin alles Prozessuale im Kommentar steht und die Arbeitstechnik bis zum Examen in Fleisch und Blut übergehen muss. Im Strafrecht habe ich nur zu den Urteilsklausuren ein kleines Handbuch zu häufigen Fehlerquellen gelesen, welches letztlich für die Station (Jugendschöffengericht) sehr hilfreich war, allerdings fürs Examen überflüssig, da viel zu detailliert. Im Öffentlichen Recht war mein einziges Lernmaterial ein von dem AG-Leiter herausgegebenes Skript zum Aufbau der verschiedenen Klausurtypen, insbesondere natürlichem dem verwaltungsgerichtlichen Urteil. Ich weiß, dass dies nach der Lernerei vor dem 1. Examen nur schwer nachzuvollziehen ist. Ich habe aber tatsächlich so gearbeitet und den Schwerpunkt auf die Klausurtechnik gelegt (s.u.) und bin damit nicht ganz schlecht gefahren.

 

 

 

Welche Rechtsgebiete sollte ich lernen?

Die Frage ist mehrfach hier aufgetaucht. Auch hier muss man sich vom Denken des 1. Examens lösen. Es geht wirklich nicht um Detailwissen. Es ist im Referendariat schwieriger, den gesamten Stoff bis ins Detail zu erarbeiten. Dieser ist sehr viel breiter gefächert als im ersten Examen. Es wird aber auch viel weniger Detailwissen verlangt. Ein großer Fehler (auch in vielen AGs) ist es, dass ein bestimmtes Thema viel zu genau behandelt wird. Häufig wird etwa das VU oder die Baumbachsche Formel in allen ihren Facetten behandelt. Es genügt hier aber, die Systematik des Gesetzes verstanden zu haben, bei den Detailfragen hilft auch in der Klausur der Kommentar. Wissen, welches über den Kommentar hinausgeht, wird in den Klausuren nicht verlangt. Welche Probleme in den Klausuren häufig Schwerpunkte bilden, habe ich in den Lösungshinweisen bei den jeweiligen Klausurtypen aufgezählt. Darüber hinaus ist hier ein genauer Lernplan wenig sinnvoll. Eine gute Vorbereitung ist es, außerhalb der Kernbereiche das Gesetz zu lesen und sich abwechselnd in die Situation eines Richters, Anwaltes oder Staatsanwaltes zu versetzen und zu fragen: Welche Handlungsmöglichkeiten habe ich in dieser Situation? Das führt dazu, dass man das Gesetz stärker hinterfragt und so die Systematik allmählich versteht. Also nicht an Details festbeißen, welche man in der Klausur ohne weiteres im Kommentar findet, sondern das Wissen möglichst breit streuen. Das funktioniert am Besten, wenn man immer neugierig ist und herausfinden will, wie etwas funktioniert, insbesondere natürlich wenn in den Nachrichten oder in einer der Stationen eine Frage auftaucht, die man selbst und häufig auch der Ausbilder nicht beantworten kann.

  • Im Zivilrecht sollte neben ZPO und BGB auch ein Blick in das GVG, das RVG und GKG, das FGG, das ZVG und das AnfG, die InsO usw. geworfen werden. In der ZPO sollte nicht zu großes Gewicht z.B. auf Kostenentscheidungen und vorläufige Vollstreckbarkeit gelegt werden (welche natürlich auch wichtig sind), sondern man sollte sich auch z.B. mit PKH und mit den Rechtsmitteln vertraut machen. Gerade in der mündlichen Prüfung wird auch gerne aus der Sicht des Anwaltes geprüft. Wichtige Punkte sind dann neben taktischen Erwägungen wie Streitverkündung oder Widerklage auch wirtschaftliche Gesichtspunkte wie Streitwert und Honorarvereinbarung.

  • Im Strafrecht hilft es sehr, sich neben StPO und StGB mit dem JGG vertraut zu machen. Viel zu genau behandelt werden oft die §§ 153ff und 170ff StPO. Zu Unrecht nur am Rande behandelt dagegen z.B. die Vorschriften über den Aufbau des strafrechtlichen Urteils, der Kostenentscheidung, der Privatklage und natürlich der Rechtsmittel. Obwohl überwiegend mit Revisionsklausuren zu rechnen ist, sollte man sich auch mit der Berufung auseinandersetzen und sich insbesondere den Instanzenzug bei den verschiedenen Verfahren einprägen.

  • Im öffentlichen Recht sind neben den in den Lösungshinweisen aufgeführten Gebieten auch Grundkenntnisse in abgelegeneren Gebieten ratsam, etwa im Beamtenrecht, dem BImSchG, dem Naturschutzrecht und dem Gewerberecht (z.B. GastG, HandwO) oder auch dem WaffG. Hier genügt es aber wirklich, das Gesetz einmal zu lesen. In der Klausur zahlt sich dies schnell aus! Im Bereich der VwGO sollte das Rechtsmittelrecht nicht vernachlässigt werden.

Dies ist natürlich nur ein sehr grober Anhaltspunkt. Ich hoffe, dass deutlich geworden ist, dass die Streuung des Wissens viel wichtiger ist als das Detailwissen, welches im ersten Examen verlangt wird. Auch häufiger aufgetaucht ist die Frage, wie und wann man das materielle Recht am besten wiederholt. Ich habe dies unmittelbar vor dem Examen getan. Man muss sich wirklich auf das Wesentliche beschränken. Ideal ist es, die eigenen Unterlagen aus dem ersten Examen noch einmal kurz durchzulesen und sich so die wichtigsten Punkte in Erinnerung zu rufen. Wenn man unmittelbar nach dem 1. Examen das Referendariat anfängt, sind die eigenen Unterlagen auf jeden Fall auch noch aktuell genug, um als Grundlage für das 2. Examen für das materielle Recht verwendet werden zu können. Man sollte bei der Wiederholung allerdings wirklich nicht in die Details gehen. Ich habe die Unterlagen daher nur durchgelesen, nicht noch einmal in allen Einzelheiten gelernt. Es genügt zu wissen, dass z.B. im Grundstücksrecht an einer bestimmten Stelle ein bestimmtes Problem besteht, wie dieses allerdings gelöst wird, beantwortet der Kommentar. Es geht also nur darum, den Blick für Probleme im Sachverhalt zu schärfen. Wer jetzt Theorien über den Bereicherungsausgleich im Mehrpersonenverhältnis wiederholt, hat noch nicht ganz verstanden, worum es im 2. Examen geht.

Wer nach dem 1. Examen eine längere Pause eingelegt hat und aus dem materiellen Recht ganz "raus" ist, sollte gleich ab Beginn des Referendariats das materielle Recht anhand der fürs 1. Examen empfohlenen Literatur wiederholen. Die Bücher müssen natürlich nicht mit derselben Akribie durchgearbeitet werden. Verwendet man Skripten, ist es z.B. ratsam, gleich mit den dort behandelten Fällen zu beginnen. Dann wird die Erinnerung an altbekannte Probleme schnell wieder geweckt.

 

 

Wie erarbeitet man die relevanten Rechtsgebiete am einfachsten?

 

1. Einstieg: Der beste Einstieg ist meines Erachtens die Lektüre des Gesetzes. So banal es klingt: z.B. das staatsanwaltliche Ermittlungsverfahren erschließt sich am besten, wenn man die §§ 151 - 177 StPO zunächst ruhig aber konzentriert liest. Anschließend empfiehlt es sich, die entsprechende Kommentierung der Vorschriften zu erfassen - natürlich muss man nicht den ganzen Kommentar lesen! Es hilft aber sehr, sich hier einen Überblick über die wichtigen Normen zu verschaffen, um im Ernstfall schnell den Weg zum Ziel zu finden. So bemerkt man z.B., dass im Kleinknecht/Meyer-Goßner am Ende jeder Vorschrift die Bedeutung der Verletzung dieser Vorschrift für die Revision dargestellt ist. Das erleichtert natürlich in einer Revisionsklausur die Arbeit erheblich und reduziert den Lernaufwand nahezu auf Null. In einigen Fällen ist es allerdings sehr empfehlenswert, die Kommentierung vollständig zu lesen, so z.B. die Kommentierung der Rechtsbehelfe in der Zwangsvollstreckung bei Thomas/Putzo. Bei den o.a. Randgebieten genügt idR das Lesen des Gesetzes und die Erfassung der Systematik. Im öffentlichen Recht werden in vielen AGs landesspezifische Skripten der Verwaltungsgerichte ausgeteilt, die neben den Formalien auch zu vielen Rechtsfragen einen guten Einstieg bilden.

 

2. Arbeit am Fall / Klausurentraining: Der nächste Schritt ist die Verinnerlichung der in der Klausurbearbeitung erforderlichen Formalien. Um beim Beispiel der Staatsanwaltschaft zu bleiben: Wie sieht eine staatsanwaltschaftliche Verfügung aus? Hierzu gibt es leider wenig brauchbare Unterlagen. Nur begrenzt empfehlenswert sind die "Schemata". Die Formalien werden aber in den AGs eingehend geübt, so dass weitergehende Literatur dazu eigentlich entbehrlich ist. Außerdem habe ich wegen der äußerst dürftigen Literatur meine eigenen Lösungsschemata erstellt, und hier zur Verfügung gestellt. Die beste Lernmethode ist daher, unmittelbar nach dem ersten Einstieg in ein Rechtsgebiet sofort mit der Fallbearbeitung anzufangen. Nur so kann man kontrollieren, ob man wirklich die jeweilige Entscheidungsform beherrscht (z.B. Anklageschrift / Einstellungsverfügung) und die materiellen und prozessualen Probleme anhand der Kommentare lösen kann. Das ist wirklich alles - das ist kaum zu glauben, denn die letzten Jahre hat man viel Zeit darauf verwendet, Rechtsprobleme auswendig zu lernen. Im Referendariat entfällt dieses Auswendiglernen. Die Arbeit am Fall ist entscheidend. Diese kann man nur durch ständige Anwendung lernen. Schon vor Beginn der F-AGs (in NRW 10 Monate vor dem schriftlichen Examen) sollte man daher mit dem regelmäßigen Klausurenschreiben beginnen. Wie regelmäßig dies ist, hängt stark vom eigenen Geschmack und Zeitplan ab. Auf jeden Fall ist es sehr sinnvoll, die Stationsarbeit so einzurichten, dass ausreichend Zeit für die Klausuren bleibt. Wie viele Klausuren man lösen kann, hängt auch davon ab, ob man diese ausformuliert oder nur eine Lösungsskizze erstellt. Was sinnvoller ist, muss man wie vorm ersten Examen für sich selbst entscheiden. In der F-AG besteht Gelegenheit einige Klausuren (in NRW 16 Klausuren) unter Examensbedingungen zu lösen. Wem das nicht genug ist, dem bleibt nur der Weg zu einem Klausurenkurs mit Korrektur, welcher von den Repetitorien angeboten wird.

 

Ich selbst habe es vorgezogen, mich auf Lösungsskizzen zu beschränken und so eine Vielzahl von Klausuren zu schreiben. Dies hat den Vorteil, dass man wie auch vorm ersten Examen nach einiger Zeit die Standardprobleme kennt, die immer wieder auftauchen. Auch fehlt für die vollständige Klausurlösung häufig die Zeit – denn anders als vor dem ersten Examen kann man sich nicht allein auf das Examen konzentrieren sondern hat auch andere Verpflichtungen. Der Nachteil liegt darin, dass man dazu neigt, zu flüchtig zu arbeiten, frei nach dem Motto: das Ausformulieren schaffe ich dann Ernstfall auch noch. Man muss sich also sehr disziplinieren, sich wirklich hinzusetzen und eine vernünftige Lösungsskizze zu erstellen. Ganz wichtig ist es auch, nicht allein ein Gutachten zu erstellen, sondern sich auch Gedanken oder noch besser Stichpunkte zu der jeweiligen Entscheidung zu machen. Bei einem Urteil ist es also sinnvoll, zumindest das Rubrum und den Tenor auszuformulieren. Den Tatbestand kann man dann in seinen wesentlichen Zügen skizzieren oder zumindest gedanklich durchgehen. Für die eigentliche Lösungsskizze, also den Entwurf der Entscheidungsgründe habe ich immer ca. 1 1/2 Stunden eingeplant. Den Zeitaufwand für die übrigen Punkte habe ich nicht gemessen, es ist hier einfach unumgänglich, Klausuren im Klausurenkurs auch unter Zeitdruck vollständig auszuformulieren und  dadurch zu sehen, wo es zeitlich Probleme gibt. Auf diese Weise kann man leicht durchschnittlich eine oder zwei Klausuren pro Tag bearbeiten – die beste Übung fürs Examen.

 

Zur Beruhigung: Es ist völlig normal, dass anfangs viele Klausuren unlösbar erscheinen. Gerade in den Fällen ist es wichtig, nicht zu resignieren, sondern die eigenen Fehler anhand der Lösungsskizze zu analysieren. Übung macht den Meister. Ich habe aber auch am Anfang immer versucht, den Zeitrahmen nicht zu sehr zu sprengen und irgendwann eine Lösung aufs Papier zu bringen. Es ist wichtig, Entscheidungen zu treffen, auch wenn diese manchmal falsch sein können. Die Fehler erkennst man dann beim Durcharbeiten der Lösungsskizze und wird aus diesen Fehlern auch viel lernen - und sie selten noch ein zweites mal machen. Sollte im Ernstfall die Zeit fehlen, dann sollte man beachten, dass für die Bewertung die rechtliche Begründung der eigenen Entscheidung entscheidend ist. Also bei Zeitnot lieber den Tatbestand kürzen aber ausreichend Zeit für die rechtliche Würdigung und den Tenor nehmen, vgl. die Hinweise bei den Aufbaumustern und Lösungshinweisen.

 

3. Woher nimmt man die Klausuren?

Wenn man ab der F-AG täglich eine Klausur löst, benötigt man weit über 200 Klausuren. Hier lag für mich die wirkliche Schwierigkeit in der Vorbereitung auf das Assessorexamen. Im Gegensatz zum ersten Examen, für dessen Vorbereitung es Unmengen von Klausurensammlungen gibt, sind diese für das Assessorexamen extreme Mangelware. Neben der Reihe des Beck Verlags (Die Anwaltsklausur in der Assessorprüfung etc.) werden auch in der JuS und anderen Ausbildungszeitschriften sowie z.T. in den Verwaltungsblättern der Bundesländer Assessorklausuren veröffentlicht. Wenn man die letzten paar Jahre durchforstet findet man schnell viele gut geeignete Klausuren. Auch auf der Referendarseite des Kammergerichts werden regelmäßig Klausuren mit Lösungen veröffentlicht. Bei der JuS ist außerhalb Bayerns z.T. Vorsicht geboten, da einige der dortigen Aufgabenstellungen in vielen anderen Bundesländern gar nicht vorkommen (z.B. Schlussplädoyer des Staatsanwalts).

Darüber hinaus sind auch die Repetitorienklausuren sehr gut geeignet, allerdings auch sehr teuer. Ich selbst habe Klausuren von Alpmann und Berger verwendet. Die Bergerklausuren sind sehr motivierend und zudem lehrreich, da dort mit Prädikat bewertete Originallösungen aus dem Examen besprochen werden. Gerade aus den korrigierten Fehlern anderer kann man sehr viel lernen. Ein kleiner Tipp, um für diese Klausuren etwas Geld zu sparen: Alte Assessorklausuren werden häufig bei ebay versteigert, z.T. ganze Jahrgänge. Auch kann man den Referendaren aus den Vorgänger AGs deren Klausuren abkaufen. Schließlich besteht die Möglichkeit, die Klausuren zu mehreren gemeinsam zu bestellen und sich die Kosten zu teilen. Wenn die Klausuren gelöst sind, kann man sie natürlich wieder verkaufen (z.B. bei ebay).

Die Aktualität der Klausuren darf auch nicht überschätzt werden. Klausuren, die 2 oder 3 Jahre alt sind, können in den meisten Fällen ohne Bedenken übernommen werden. Auch die Repetitorien greifen z.T. auf viele Jahre alte Klausuren zurück und veröffentlichen diese nur mit leicht veränderten Daten neu. Auch „gebrauchte“ Klausuren sind also zur Examensvorbereitung bestens geeignet.

 

 

 

Gibt es einen Zeitplan?

 

Einen strikten Zeitplan wie vor dem ersten Examen kann man vor dem Assessorexamen kaum einhalten, da die zeitliche Belastung in den Stationen sehr unterschiedlich und schwer vorhersehbar ist. So kann es sein, dass man manchmal täglich zur Arbeit muss, manchmal aber auch tagelang nichts zu tun hat. Folgende Einteilung kann daher nur als grober Anhaltspunkt gelten:

 

Die Erarbeitung (Prozessrecht und Formalien) sollte, wie oben schon erwähnt, nicht mit der AG Hand in Hand sondern dieser etwas voraus gehen. Sehr sinnvoll ist es, den Examensstoff – das Neue ist ja viel weniger als im ersten Examen – nach ca. 10 Monaten, also kurz vor Ende der Anfänger AGs abgedeckt zu haben. Man kann daher die Anfänger AGs und die Station immer als ersten Einstieg in die Materie nutzen, sollte sich dann aber schnell von den Vorgaben lösen und das gesamte Gebiet möglichst umfassend erarbeiten. Gegen Ende der AGs kennt man dann die prozessrechtlichen Besonderheiten der drei großen Rechtsgebiete sowie die dort geltenden Entscheidungsformalien. Während der AG Zeit werden schon erste Klausuren geschrieben, so dass man dann fließend zum fortlaufenden Klausurentraining übergehen kann.

 

Häufig ist im Forum die Frage aufgetaucht, wie ich die tägliche Zeit zum Lernen eingeteilt habe, wie also mein Tagesablauf aussah. Auch das ist aber nur sehr schwer zu verallgemeinern. Ich habe immer versucht, mindestens eine Klausur am Tag zu bearbeiten, häufig waren es aber auch 2 oder 3, nämlich dann, wenn an anderen Tagen überhaupt keine Zeit übrig blieb und ich den Stoff vor- oder nacharbeiten musste. So ging ein Tag schon durch die AG verloren. Stand an einem weiteren Tag Stationsarbeit auf dem Plan, war über das Klausurtraining hinaus kein weiteres Lernen mehr möglich. War der Tag aber frei, dann habe ich den Rest des Tages zum Lernen genutzt, also insbesondere dem Einarbeiten in neue Rechtsgebiete oder einfach dem Nachschlagen von bestimmten Rechtsfragen, dazu oben. An Wochenenden habe ich nur ganz ausnahmsweise gearbeitet.

 

 

 

Was erwartet mich in der mündlichen Prüfung?

M.E. wird die mündliche Prüfung vielfach überbewertet. Zwar macht diese offiziell ein Drittel der Gesamtnote aus. Es ist aber kein Geheimnis, dass die Noten den schriftlichen Vorzensuren angepasst werden und dem Kandidaten in der absoluten Mehrzahl der Fälle die Gelegenheit gegeben werden soll, noch 1 bis 2 Punkte zuzulegen. Mehr ist aber idR nicht drin, d.h. entscheidend für die Endnote sind die Klausuren. In der mündlichen Prüfung muss ein Aktenvortrag gehalten werden und es folgt ein Prüfungsgespräch. Für beides ist eine gezielte Vorbereitung kaum möglich, da die Themen natürlich unbekannt sind. Die einzig sinnvolle Vorbereitung war aus meiner Sicht folgende: Man kann sich häufig beim AG Leiter Aktenvorträge besorgen und diese alleine oder mit Freunden üben. Es geht dabei allerdings nur darum, die Zeiteinteilung zu bewältigen und die freie Rede zu üben. Man sollte es daher nicht übertreiben. Ich habe mit einem Kollegen Aktenvorträge geübt. Nach 5 bis 10 geübten Vorträgen nahm der Lerneffekt aber ab und wir ließen es dann sein. Bzgl. des Prüfungsgespräches bietet sich das Durcharbeiten der Protokolle an, welche von verschiedenen Repetitorien geführt werden. Zwar wird in der Prüfung mit ziemlicher Sicherheit ein anderes Thema vorkommen, man kann sich aber mit dem Prüfungsstil der Prüfer vertraut machen und wird dann in der Prüfung nicht auf dem falschen Fuß erwischt. Alles andere, insbesondere das Lesen der NJW, ist ein großer Zeitaufwand, der allenfalls zu einem Zufallstreffer führen kann.

Eine Wahlstation im Ausland muss das Ergebnis der anschließenden mündlichen Prüfung nicht unbedingt beeinträchtigen. Ich selbst habe die Wahlstation im Ausland verbracht. Da die Ergebnisse der Klausuren in NRW ohnehin erst zum Ende der Wahlstation bekannt gegeben werden, war nach der Rückkehr noch genug Zeit, zur Vorbereitung. Ein Auslandsaufenthalt kann im Gegenteil sogar dazu beitragen, den Kopf frei zu bekommen und für die mündliche Prüfung neue Kraft zu schöpfen.

 

Und nach dem Referendariat?

 

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