zurück zur Hauptseite

 

Die Zeit nach dem Referendariat

Im allgemeinen Stress der Praxisvorbereitung verliert man oft den Blick für die Zeit nach dem Referendariat. Auch diese sollte man aber früh genug planen. Das betrifft zum einen natürlich die Jobsuche, zum anderen aber auch die Gestaltung der Zwischenzeit zwischen Referendariat und erstem Arbeitstag. Denn auch bei einem guten Examen wird man in der Regel nicht gleich am ersten Tag nach dem Examen die Arbeit anfangen, da z.B. bestimmte Unternehmen oder Behörden feste Einstellungstermine haben und häufig eine Bewerbung erst nach der mündlichen Prüfung im 2. Staatsexamen möglich ist.

 

Die Jobsuche

Wer sich - wie ich - für eine Arbeit als Richter oder Staatsanwalt interessiert, findet eine hervorragende Zusammenstellung über die Bewerbungsvoraussetzungen in den verschiedenen Bundesländern auf der Seite http://th-h.de/infos/jura/rista.php3. Eine noch aktuellere Aufstellung findet sich auf der Seite http://www.juristenkoffer.de/richter/laenderuebersicht.htm. Eine Bewerbung macht in den meisten Bundesländern erst Sinn, wenn man die Endnote des 2. Examens kennt. Vor der Bewerbung empfiehlt sich ein Anruf bei der jeweiligen Behörde, um in Erfahrung zu bringen, ob eine Bewerbung überhaupt sinnvoll ist, ob also die Note ausreicht und ob und ggfs. wann Richter eingestellt werden. Denn in vielen Bundesländern gibt es bestimmte Termine für die Vorstellungsgespräche, Einstellungen werden also nicht kontinuierlich vorgenommen. Die Fachgerichtsbarkeiten haben in vielen Bundesländern gesonderte Bewerbungsverfahren. Zum Überblick über die Zuständigkeiten und Ansprechpartner hier, sei die Seite http://www.drb.de/doc/einstellung_justizdienst.pdf des Deutschen Richterbundes empfohlen. Wer Interesse an einer Tätigkeit in der Sozialgerichtsbarkeit hat, dem wird auf der Seite http://www.sozialgerichtsbarkeit.de/sgb/index.php weiter geholfen.

Wer sich für eine Arbeit beim Auswärtigen Amt interessiert, dem sei die Seite http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/AAmt/AusbildungKarriere/AA-Taetigkeit/Uebersicht.html empfohlen. Beim Auswärtigen Amt gibt es feste Einstellungstermine und eine lange Vorlaufzeit bis zur Einstellung (über 6 Monate), in welcher verschiedene Eignungstests stattfinden. Die Bewerbung erfolgt hier komplett online.

Die meisten wird wohl eine Stelle als Anwalt interessieren. Auf der Seite http://rsw.beck.de/rsw/shop/default.asp?toc=stellenmarkt.root werden die Stellenanzeigen der NJW und anderer Zeitschriften des Beck-Verlages gesammelt. Dies ist sicher ein interessanter Einstieg. Für eine anwaltliche Tätigkeit im regionalen Raum, welche ohne Zweifel auch viele Vorteile hat, läuft dagegen vieles über persönliche Empfehlungen bzw. Initiativbewerbungen. Auch hier ist ein vorheriger Anruf empfehlenswert, um zu klären, ob überhaupt eine Stelle zu besetzen ist.

Wenn dann das erste Vorstellungsgespräch ansteht, bitte nicht nervös werden: Der Arbeitgeber möchte Euch ja auch nur kennen lernen und sehen, ob Ihr zu ihm passt. Also nicht verstellen sondern natürlich geben - aber selbstverständlich ernsthaft und von dem angestrebten Job trotz aller Nachteile überzeugt. Für das Bewerbungsgespräch gibt es hier interessante Tipps:

http://www.berufswahl-tipps.de/vorstellungsgespraech.htm

Und zum Schluss noch ein Tipp: Haltet Euch immer einen Plan B offen. Auch wenn Ihr Euch auf Euren Traumjob beworben habt und die Bewerbung gute Erfolgsaussichten hat: Sicher ist bis zur Zusage des Arbeitgebers nichts. Haltet deshalb genügend Eisen im Feuer, um auch bei einer überraschenden Absage nicht noch einmal bei Null anfangen zu müssen. Eine gute Taktik ist es, die Bewerbungen zeitlich versetzt abzuschicken, d.h. mit den Bewerbungen anzufangen, die Euch am wichtigsten sind. So habt Ihr genug Zeit zwischen den Vorstellungsgesprächen und könnt auch dem Arbeitgeber genug Bedenkzeit geben. Auch hat dieses Vorgehen den Vorteil, dass man bei der Frage, wo man sich denn noch so beworben habe, eine zufrieden stellende Antwort geben kann, nämlich die, dass die aktuelle Bewerbung natürlich die wichtigste ist und man den Job auf jeden Fall vor allen anderen annehmen würde.

 

Die Zwischenzeit

Ist man sich im Klaren über die beruflichen Ziele und sind die ersten Bewerbungen abgeschickt, beginnt die Wartezeit. Auch diese muss im Voraus geplant werden, denn mit dem Bestehen des 2. Examens ändert sich eine Menge.

Ihr steht in keinem Arbeitsverhältnis mehr und daher werden auch keine Beiträge zur Krankenkasse gezahlt. Diese ist zwar verpflichtet Euch für einen weiteren Monat nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses zu versichern. Danach ist aber Schluss. Ihr müsst also für die Folgezeit entweder ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis bekommen (das ist beim Jobben beim Anwalt idR nicht der Fall) oder aber ihr müsst Euch freiwillig in der gesetzlichen / privaten Krankenversicherung versichern, was nicht ganz billig ist. Für eine kurze Übergangszeit ist daher der einfachste Weg der zum Arbeitsamt. Zwar ist genügt das Arbeitslosengeld kaum zum Überleben, das Arbeitsamt zahlt aber die Beiträge zur Krankenkasse weiter. Wenn Ihr Euch arbeitslos melden wollt, dann müsst Ihr dies unverzüglich nach dem 2. Examen tun, möglichst sogar vor der mündlichen Prüfung. Ein weiterer Vorteil ist die Förderung der Arbeitssuche durch das Arbeitsamt: Wer Bewerbungen schreibt und zu Vorstellungsgesprächen fährt, bekommt einen großen Teil dieser Kosten vom Arbeitsamt ersetzt. Die Leistungen müssen aber immer vor der Bewerbung / dem Bewerbungsgespräch beantragt werden.

Um keine Lücken im Lebenslauf entstehen zu lassen, ist es auch empfehlenswert, weiterhin juristisch zu arbeiten. Häufig bietet sich die Möglichkeit, in einer Anwaltskanzlei mitzuarbeiten. Wenn auch keine feste Anstellung dabei herausspringt, macht es sich auf dem Lebenslauf und auch im Bewerbungsgespräch ganz gut. Auch neben dem Bezug von Arbeitslosengeld könnt ihr z.Zt. (August 2006) bis zu 165 Euro pro Monat nebenher verdienen, ohne dass die Leistungen gekürzt werden.