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            Ü Wiederholungsphase

 

Nun kommt die für den Examenserfolg aus meiner Sicht entscheidende Phase: Das ganze Erarbeiten und Vertiefen bringt überhaupt nichts, wenn man zum einen das Wissen nicht abrufbar bereit hat und zum anderen, die abstrakten Rechtsprobleme nicht im konkreten Sachverhalt erkennen kann. Daher ist auf die Wiederholungsphase, insbesondere die Fallbearbeitung (Klausurentraining) ein absoluter Schwerpunkt zu legen. Dies kommt häufig aus Zeitmangel zu kurz, so dass viele Kandidaten nahezu ohne Klausurpraxis in das Examen gehen. Das ist ein fataler Fehler! Dann lieber die Erarbeitungs- bzw. Vertiefungsphase etwas abkürzen aber auf jeden Fall ausreichend wiederholen und viele, viele Klausuren schreiben! Erst in der Widerholungsphase macht sich der Lernerfolg bemerkbar, und man bemerkt, dass man den Kampf gegen das Vergessen gewinnen kann.

 

Wissen abrufbar machen

Es gibt nur ein Mittel: Wiederholen, wiederholen, wiederholen. Dies war in der gesamten Examensvorbereitung die eintönigste Tätigkeit, allerdings auch die, welche am meisten zum Erfolg beigetragen hat. Da eine enorme Stofffülle wiederholt werden will, muss man sehr systematisch vorgehen. Das Schlüsselwort ist hier „exponentielles Lernen“. Als ich von diesem exponentiellen System hörte, kam es mir ziemlich albern vor. Es ist aber tatsächlich ein sehr funktionstüchtiges System. Man teilt den gesamten Stoff in ca. 25 Einheiten ein. Eine Einheit war bei mir z.B. BGB AT und Grundzüge des Arbeitsrechts. Jede dieser Einheiten muss in immer größeren Abständen wiederholt werden: zunächst alle 4 Tage, dann 8, dann 16, 32, 64. Da das alles sehr abstrakt klingt, gibt es hier eine Einteilung des gesamten Studienstoffs in solche Einheiten und meinen „exponentiellen“ Wiederholungsplan: Zeitplan für die Wiederholung (ZIP-komprimierte Datei, die Ihr - wie alles auf dieser Seite - kostenlos herunterladen könnt).

 

Probleme im Sachverhalt erkennen

Es gibt nur ein Mittel: Fälle, Fälle, Fälle. Wer keine Fälle löst, kann das Examen kaum bestehen. Zum Glück gibt es Unmengen von Fallsammlungen (s.u.). Optimal wäre es natürlich, sich tatsächlich wie im Examen etwa eine Stunde zur Lösung Zeit zu nehmen und dann die Lösungsskizze anzusehen. Ich habe das ehrlich gesagt fast nie durchgehalten. Wichtig ist nur, dass man sich mit der Musterlösung aktiv auseinandersetzt und ggfs in den eigenen Ausarbeitungen verarbeitet. Nur die Übung macht den Meister, also nicht verzweifeln, wenn die eigenen Lösungsskizzen manchmal ziemlich holprig sind. Manche Fehler macht man immer wieder, diese sollte man sich daher gesondert aufschreiben. Ich habe bis zum Examen eine Liste mit meinen 30 liebsten Fehlern aufgeschrieben und vor jeder Klausur noch einmal schnell verinnerlicht, um sie so wenigstens im entscheidenden Moment zu vermeiden.

 

Klausurenkurs

Empfehlenswert ist auch der von der Uni angebotene Klausurenkurs. Dies ist die einzige Gelegenheit, den eigenen Leistungsstand einzuschätzen, auch wenn die Bewertungen sehr subjektiv sind und durch alle Notenstufen tanzen. Auf jeden Fall kann man den Ergebnissen eine grobe Tendenz entnehmen. Wenn man den größten Teil der Klausuren besteht, ist dies ein sehr gutes Zeichen. Wenn man sehr oft durchfällt, sollte man sich bis zum Examen noch ein bisschen Zeit lassen. Völliger Quatsch ist allerdings, dass sich in irgendeiner Weise das Examensergebnis aus diesen Übungsklausuren (oder gar den Klausuren während des Studiums) herleiten lässt. Ich hatte einen Schnitt von unter 9 Punkten. Auch ich habe im Klausurenkurs mal Klausuren mit 4 oder 5 Punkten geschrieben und bin im Studium bei einer Hausarbeit durchgefallen. Das verunsichert natürlich, es sollte aber auch Ansporn sein, weiter an sich zu arbeiten. Auch die Zahl der geschriebenen Klausuren hat nichts zu sagen. Ich habe z.B. ausgenommen das Wahlfach nur ca. 30 Klausuren geschrieben – z.T. werden ja 50 oder mehr als Mindestzahl (!) empfohlen. Wichtig ist, zu lernen mit der zur Verfügung stehenden Zeit zurecht zu kommen. Ich persönlich habe mir für die Lösungsskizze 1 Stunde Zeit genommen, in komplizierten Fällen auch mal 1 1/2 Stunden, den Rest der Zeit zum Ausformulieren der Lösung, vgl. hierzu den Punkt Zeiteinteilung.

Man muss sich stets die Bedeutung des Klausurenkurses vor Augen halten: es geht nicht darum, hier bestimmte Rechtsprobleme oder Klausurtypen zu üben – im Zweifel kommen im Examen völlig andere Fälle. Der Sinn ist das Lernen des Klausurschreibens an sich, also vor allem die Einteilung der Zeit, das schnelle Schreiben, das sinnvolle Kürzen, wenn die Zeit knapp wird und insbesondere der sichere juristische Stil, vgl. dazu sofort. Daher kann man mit dem Klausurenschreiben auch nicht früh genug anfangen. Ich selbst habe bereits während der Erarbeitungsphase, also ca. 1 Jahr vor dem Examen, damit angefangen.

 

 

Ausbildungszeitschriften

Von Ausbildungszeitschriften kann ich nur abraten. Der große Nachteil ist, dass hier das Wissen völlig unsystematisch vermittelt wird. Was hilft mir ein Artikel zur Entwicklung der Bürgschaftsrechtsprechung wenn ich gerade Sachenrecht lerne? Die Ausbildungszeitschriften verwirren meines Erachtens nur, man sollte sie daher völlig außer Acht lassen.

 

Rechtsprechungslektüre

Sehr zu empfehlen ist dagegen die Lektüre aktueller Rechtsprechung. Auch diese hilft nicht, Examenswissen anzuhäufen, sondern den juristischen Stil und das Vokabular zu erlernen. Das Lesen von BGH Entscheidungen hat mein Wissen in Bezug auf das Examen in keiner Weise bereichert. Dagegen lernt man hier das juristische Argumentieren. Es fällt nach einiger Zeit auf, dass der BGH in keiner Entscheidung das Unwort „Mindermeinung“ benutzt. Wenn jemand ein juristisches Problem in der Weise angeht, dass er schreibt: „Dies ist strittig. Eine Ansicht sagt dies, eine andere jenes…“ zeigt er nur, dass er nur schablonenhaft denken und auswendig Gelerntes anbringen kann. Viel überzeugender sieht der juristische Stil der Rechtsprechung aus: „Es ist unklar, ob dieses Merkmal hier vorliegt. Gewichtige Gründe könnten hier dafür sprechen, das Merkmal dahingehend auszulegen … Gegen eine solche Auslegung ergeben sich jedoch durchgreifende Bedenken. So würde ein solcher Ansatz unbeachtet lassen, dass … Somit ist die Frage dahingehend zu entscheiden, dass …“ Eine solche Herangehensweise zeugt von großer Souveränität, auch wenn das präsentierte Wissen mit der ersten Darstellung völlig übereinstimmt. Wer das nicht glauben will, dem sei versichert, dass meine Examensnote von 12 Punkten im schriftlichen Examen auf 13 nach dem mündlichen Examen angehoben wurde, gerade mit der Begründung, dass das Auftreten und die Herangehensweise auch an unbekannte Probleme völlig überzeugend gewesen sei. Daher dringendst zur Nachahmung empfohlen. Quellen zum Nachschlagen von ausbildungsgeeigneter Rechtsprechung s.u. Besonders RÜ und RA sind ganz gut gemacht, weil an den entscheidenden Stellen die Originalentscheidungen im Wortlaut eingebunden werden. Das hilft, den Gutachtenstil mit dem Argumentationsstil der Rechtsprechung zu verbinden.

 

Zeiteinteilung

Erforderlich sind also die Wiederholung, die Falllösung und die Rechtsprechungslektüre. Bewährt hat sich eine Aufteilung von ungefähr 1/3 für jede dieser Komponenten, unabhängig davon der Klausurenkurs. Man kommt so auf ca. 2 – 3 Stunden Wiederholung, 2 – 3 Stunden Falllösung und 2-3 Stunden Rechtsprechungslektüre oder sonstige Vertiefung.

 

           Literaturempfehlungen Fallsammlungen:

    Zivilrecht

Ø      Lindacher AT,

Ø      Köhler/Fritzsche SchuR,

Ø      Dauner-Lieb/Arnold/Dötsch/Kitz SchuR,

Ø      Kornblum SchuR AT,

Ø      Wieling/Finkenauer SchuR BT,

Ø      Dörner SchuR BT gesetzliche Schuldverhältnisse,

Ø      Gursky Sachenrecht

 

    Strafrecht

Ø      Gropp/Küpper/Mitsch,

Ø      Gössel

 

    Öffentliches Recht

Ø     Saarheimer Fälle überaus empfehlenswerte Seite der Uni Saarbrücken, auf der nahezu alle wichtigen Standardfälle des öffentlichen Rechts bearbeitet werden. Sämtliche landesrechtliche Besonderheiten der verschiedenen Bundesländer werden berücksichtigt.

      Ø      Heyen 40 Klausuren

Ø      Seidel/Reimer/Möstel (Hrsg. Di Fabio) AllgVerwR (auch BesVerwR)

 

   Rechtsprechung:

Ø    Lorenz Rechtsprechung zum gesamten Zivilrecht http://www.lrz-muenchen.de/~Lorenz/urteile/Rechtsprechung2.htm,

Ø    Kühl www.strafrechtsprechung.de bzw. http://kuehl.jura.uni-tuebingen.de/mat_set3.htm,

Ø    AS Aktuell www.alpmann-schmidt.de (aktuelle Informationen)

Ø    RÜ Zeitschrift von Alpmann Schmidt zur aktuellen Rechtsprechung

Ø    RA Zeitschrift von www.jura-intensiv.de