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            Ü Letzte Tipps

 

Bevor es nun wirklich ernst wird und die erste Examensklausur ausgeteilt wird, noch ein paar Tipps, die vielleicht ganz nützlich sind, um die enorme psychischen und physische Belastung zu verkraften. Schlimm ist eigentlich nur die Zeit vor der ersten Klausur. Schon während der Klausur stellt sich schnell Routine ein, und man arbeitet, wie man es im Klausurenkurs gelernt hat.

 

Merkzettel: Als gutes Beruhigungsmittel hat sich für mich das Herausschreiben von Problemen ergeben, die ich ständig übersehe. Hat man einen Zettel mit den Lieblingsfehlern angefertigt, so kann man diesen noch unmittelbar vor der Klausur schnell überfliegen, um sich die Gefahren zu vergegenwärtigen. So enthielt mein Merkzettel Strafrecht ca. 8 Punkte, z.B. "beim Versuch Rücktritt nicht übersehen". Aber bitte nicht als unerlaubtes Hilfsmittel verwenden, sondern vor der Klausur entsorgen!

 

Nervosität: Man sollte sich trotz aller Nervosität überwinden, vor der Klausur wenigstens ein wenig Obst zu essen, um nicht mit völlig leerem Magen fünf Stunden bewältigen zu müssen. Als sehr beruhigend hat sich für mich der Weg mit dem Fahrrad zum JPA erwiesen. Das hat den Vorteil, dass man ein bisschen abgelenkt wird und zugleich frische Luft schnappen kann. Man ist dann bei der Prüfung richtig wach. Daher bin ich auch immer erst in den letzten fünf Minuten vor Klausurbeginn in den Prüfungsraum gegangen. So ist man nicht abgelenkt und während der entscheidenden ersten Stunde, in der die Lösungsskizze die Weichen der Klausur stellt, hellwach. Während der Klausur ist kaum Zeit, noch etwas zu essen, ich habe vor allem Traubenzucker gefuttert und viel Wasser getrunken.

 

Pausen: Ich habe nach der Hälfte der Zeit eine kurze Pause gemacht, um ein bisschen frische Luft zu atmen. Das hat den Vorteil, dass man sich von der Klausur distanziert und die eigene Bearbeitung selbstkritisch beurteilen kann. Man hat die Lösungsskizze fertig und ca. 1/3 der Klausur geschrieben. Zur Not kann man jetzt auch noch umsteuern, wenn man merkt, dass die Klausur völlig schief läuft. Zwar habe ich nie eine Klausur komplett umgestellt, aber kleinere Korrekturen sind durchaus vorgekommen. Wenn man dann nach ca. 10 Minuten zurückkommt, kann man erneut mit voller Überzeugung ans Werk gehen und den Rest zu Papier bringen.

 

Zeiteinteilung: Ich war nie der erste der die Klausur abgegeben hat, aber auch nie einer der letzten, die verzweifelt noch den Satz zu Ende bringen wollen. Ich habe idR 5 - 15 Minuten vor Ende der Bearbeitungszeit die Klausur abgegeben. Die Zeiteinteilung muss man lernen. Das geht nur im Klausurenkurs. Man muss insbesondere lernen, sich kurz zu fassen, wenn man merkt, dass die Zeit davon läuft, um auch am Ende der Klausur noch zufrieden stellende Formulierungen zustande zu bringen. Es bietet sich an, die Klausur einzuteilen. Sind zwei etwa gleichbedeutende Komplexe zu lösen, so sollte man für die Lösungsskizze 1 Stunde und für jeden Komplex 2 Stunden einplanen. Am Ende der jeweils verplanten Zeit muss dann aber auch wirklich zum nächsten Punkt übergegangen werden. Es ist uU besser, sich in der Mitte der Klausur kurz zu fassen, als am Ende nur noch Stichpunkte hinzuschreiben.

 

Redeverbot: Man sollte sich für die Zeit der Klausuren ein generelles Redeverbot über juristische Themen auferlegen. Ich habe jeden Kontakt mit juristischer Bekanntschaft vermieden. Durch die wüsten Spekulationen, die unmittelbar nach den Klausuren üblicherweise entstehen, darf man sich auf keinen Fall verrückt machen lassen und sollte sie deshalb am Besten gar nicht zur Kenntnis nehmen. Es handelt sich hier häufig um wilde Gerüchte und auch die Entscheidungen, welche nach der Klausur ausgegraben werden und vermeintlich dem Fall zugrunde liegen, sind keine Garantie für eine erfolgreiche Klausur. Und schließlich: Die Klausur lässt sich nun so oder so nicht mehr ändern. Daher: Kontaktverbot zu anderen Juristen, um sich selbst in aller Ruhe auf die nächste Klausur konzentrieren zu können.

 

Freizeit: Zwischen den Klausuren sollte man tatsächlich die Freizeit zur Erholung nutzen, auch wenn dies häufig schwer fällt. Ich selbst habe mich manchmal beim Gang in die Bibliothek erwischt. Gebracht hat es aber nichts, außer vielleicht das eigene Gewissen zu beruhigen. Viel wirksamer war dagegen die Zeit, die ich damit verbracht habe, mir stundenlang den Wannsee anzuschauen und dabei schon einmal innerlich Abschied von Berlin / Potsdam zu nehmen.

 

Schreibwut: Das viele Schreiben ist auch eine körperliche Belastung. In 9 Examensklausuren schreibt man knapp 200 Seiten. In den letzten Klausuren spürt man das auch sehr deutlich im Handgelenk. Zwar habe ich auch von Hanteltraining gehört, fand das aber albern. Das regelmäßige Klausurenschreiben ist eigentlich die beste Übung. Auch ist die Investition in einen guten Füller, mit dem man schnell und leserlich schreiben kann, echt das Geld wert.