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Assessorklausuren - Methodik der Klausurlösung im 2. Staatsexamen

Hier soll ein Überblick über die möglichen Klausuraufgaben im 2. Staatsexamen in NRW geschaffen werden. Zugleich werden Tipps zur richtigen Herangehensweise bei der Klausurbearbeitung gegeben. Dies soll dabei helfen, den zu Beginn der Referendarszeit nur schwer zu überblickenden Stoff systematisch einzuordnen und zugleich Mut machen, aus dem noch von der Uni geprägten Denken herauszukommen, materiellrechtliche Probleme auswendig zu lernen. Denn die Anforderungen im 2. Examen sind völlig andere: Hier wird kein Gutachten zu dogmatischen Streitigkeiten sondern eine praxisgerechte Arbeit erwartet. Daher liegt der Schwerpunkt der Klausuren - egal auf welchen Rechtsgebiet - nicht im Abfragen von rechtlichem Detailwissen sondern im Erfassen eines einfachen Sachverhalts, die Auseinandersetzung mit den Argumenten und Ansichten der Parteien, der Beweismittel und dem Entwurf einer praktischen Entscheidung.,

Anfangs ist die Vielzahl der möglichen Klausurgestaltungen schwer zu überschauen und wirkt erdrückend. Wer die hier aufgeführten Lösungsmuster aber aufmerksam durcharbeitet, wird schnell merken, dass es gar nicht so unglaublich viele Klausurkonstellationen gibt und dass in materieller Hinsicht immer die selben Erwägungen erfolgen müssen. Im Einzelnen kommen in NRW (und den meisten anderen Bundesländern) folgende Aufgabenstellungen in vor.

Im Zivilrecht:

Im Strafrecht:

Im Verwaltungsrecht:

 

Der krönende Abschluss: Rechtsmittel. In allen Fallgestaltungen kann - wenn auch sehr selten - eine unbekannte Fallkonstellation kommen, dazu gehören, weil während der AGs kaum geübt, insbesondere die Rechtsmittel. Schon während der Vorbereitungszeit empfiehlt es sich, die einschlägigen Vorschriften in der ZPO, StPO, VwGO und FGG zu lesen. Es finden sich zu den Rechtsmitteln auch vereinzelt Klausuren, mit denen man diese Gebiete recht gut erarbeiten kann. Sieht man aber im Examen im Bearbeitervermerk die Aufforderung, die Entscheidung der Gerichts z.B. auf eine Berufung oder eine sofortige Beschwerde einer Partei zu erstellen, wird man trotzdem meist auf dem falschen Fuß erwischt. Denn auch, wenn man die Rechtsmittel schon einmal behandelt hat, stellen sie doch keinesfalls den Standardfall im Referendariat dar. Die Klausuren sind aber alle in den Griff zu bekommen, da auch das JPA weiß, dass es sich hierbei nicht um Standardwissen  handelt. Das Rechtsmittel ist daher nur der Aufhänger, der Einstieg in ein bekanntes Rechtsgebiet. Denn entweder muss eine erstinstanzliche Entscheidung auf ihre Richtigkeit überprüft oder aber die Rechtslage erneut wie im erstinstanzlichen Verfahren geprüft werden. In beiden Fällen bietet es sich an, den Fall in Gedanken zu vereinfachen, indem man den Aufhänger der Klausur, also das Rechtsmittel aus den Überlegungen herausnimmt und sich nur überlegt, wie der Fall zu entscheiden wäre, wenn man eine ganz normale erstinstanzliche Entscheidung zu treffen hätte. Erst wenn man diese isolierte Prüfung abgeschlossen hat, nimmt man die nächste Stufe, also das Rechtsmittel mit hinzu, und untersucht, welche Besonderheiten sich aus diesem ergeben. Die weiteren Besonderheiten sind dann formeller Natur: zu achten ist auf die korrekte Bezeichnung der Parteien (z.B. "Kläger und Berufungsbeklagter" oder "Antragsteller und Beschwerdeführer") und die richtige Tenorierung. Letztere ist im jeweiligen Kommentar erklärt. Wichtig ist, dass immer tenoriert wird, was mit der ursprünglichen Entscheidung geschieht, denn diese ist ja weiterhin in der Welt (also "wird aufgehoben" oder "abgeändert" etc.).